André Sebastiani

Fotografie
Musik

Solveig Slettahjell/Morten Qvenild – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Ein besonderer Auftritt dürfte der Gig für Solveig Slettahjell gewesen sein – sie hatte Geburtstag. Von Uli Beckerhoff angestiftet bekam sie beim Bühnenaufgang ein Ständchen gesungen und war sichtlich gerührt. Ein schöner Moment, den sie mit ihrem Partner Morten Qvenild mit einem der gefühlvollsten Auftritte im Rahmen der Konzerte im Schlachthof dankte.

Wenn man bedenkt, dass Slettahjell noch vor einigen Monaten die vollbesetzte Glocke bespielt hat, bekommt man eine Ahnung von der Klasse der norwegischen Sängerin. Für Puristen sicher etwas zu poplastig gehörte dieser Auftritt zu den umjubeltsten und bestbesuchten der Messe.

Hildegard lernt fliegen – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Der vorletzte Auftritt am Samstagabend war, zusammen mit Just East, mein liebster. Die Gruppe um den Vokalartisten Andreas Schaerer bot ein Gesamtkunstwerk, bei dem Musik und Darbietung sich aufs wunderbarste ergänzten. Sehr humorvoll und mit beißender Ironie präsentierten die jungen Schweizer (sic!) ihre Songs, dass mir das Zwergfell schmerzte und die Beine dazu zuckten. Frank Zappa hätte sicher seine Freude daran gehabt.

Just East – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Just East aus Großbritannien legten einen der besten Auftritte im Rahmen der Jazzahead! hin. Mit ihrem hypnotischen, durch allerlei Anleihen bei Klezmer und verschiedenen arabischen Stilen angereicherten, ganz eigenem Stil konnte man sich Just East nicht entziehen. Noch Tage später hatte ich die Melodien im Kopf. Ein echtes Juwel – viel zu schade um nur auf der Insel gehört zu werden. Hoffentlich schaffen die Jungs es auf das eine oder andere Festival, ich muss sie definitiv mal mit einem abendfüllenden Set hören. Großartigst!

Marius Neset Golden Xplosion – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Der gefeierte Saxofonist Marius Neset spielte als zweiter Act am letzen Abend der Jazzahead! im Schlachthof. Er legte los wie ein Fusionsreaktor und schaffte es bis in die letzten Takte mit dieser brachialen Kraft (bei gleichzeitig ideenreichem Spiel) vorzugehen. Ein echtes Erlebnis – mit Sicherheit ein Künstler von dem man noch einiges hören wird.

Edmar Castaneda Trio – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Letzter Gig am Freitag war das Edmar Castaneda Trio. Schon etwas müde erwartete ich Sphärenklänge, als ich von der Besetzung um Castanedas Harfe las. Es kam jedoch ganz anders. Mit atemberaubender Virtuosität zu südamerikanischen Rythmen bearbeitete der junge kolumbianisch stämmige New Yorker sein Instrument, dass man Angst haben konnte, dass es im Sekundentakt die Stimmung verliert. Tat es aber nicht. Stattdessen stieg die Stimmung bei den zahlreich Verbliebenden im Schlachthof auf einen neuen Höhepunkt.

Oran Etkin – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Dritter Act am Freitagabend war der junge in New York lebende Israeli Oran Etkin mit seinem ungewöhnlichen Quartett. Etkins stark von Klezmer beeinflusstes Saxofon und Klarinettenspiel wurde durch Kontrabass, Balafon (einer Urform der Marimba) und Cabash (einem tief tönenden afrikanischen Rythmusinstrument) ergänzt. Damit trat die Gruppe den eindeutigen Nachweis an, dass Weltmusik kein langweiliger Eintopf sein muss. Rythmisch mitreißend und mit spürbarer Freude vorgetragen groovte die Band und mit die vielen Zuhörer.

Vinx – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Der zweite Showcase brachte einen der bekannteren Namen auf die Bühne: Vinx

Der schwergewichtige Amerikaner hat bereits mit Sting und Herbie Hancock zusammengearbeitet. Der Vokalakrobat brachte Improvisationen, die ein wenig an Bobby McFerrin erinnerten und Interpretationen von Standards und eigenen Songs auf die Bühne. Dabei verwendete er jedoch auch Effektgeräte und eine Loopstation, die ihn zu einem Ein-Mann-Orchester machten. Hinreißend dargeboten und humorvoll präsentiert. Unterstützt wurde er lediglich bei einem Song durch einen Gitarristen.

Vinx, das war ganz großes Kino!

François Bourassa Quartett – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Der Donnerstag im Schlachthof hat wirklich Lust auf mehr gemacht. Leider waren meine Kinder am Freitagmorgen nicht so gnädig, mich ein klitzekleines Bisschen länger schlafen zu lassen. Dabei musste ich doch erst spät zur Arbeit. Na ja. Vor den Showcases am Freitagabend habe ich noch eine Mütze voll Schlaf nehmen können – außerdem versprach das hochkarätige Programm jeglichen Schlafsand aus den Augen zu pusten.

Den Anfang machte das Francois Bourassa Quartett. Komplexe rythmische Strukturen und ideenreiche, machmal leicht sperrige Improvisationen, zeichnen diese Gruppe aus.

Benavent-Di Geraldo-Pardo – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Zu guter Letzt stand am Donnerstag im Schlachthof Flamenco Fusion vom Feinsten auf dem Programm. Das exzellente Trio Benavent-Di Geraldo-Pardo machte auch den leisesten Anflug von Müdigkeit bei den zahlreich verbliebenen Besuchern vergessen.

José Luis Gutierrez Quartet – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Als dritte Band des “Spanish Night”-Abends auf der Jazzahead! spielte das Quartett  um den Komponisten und Saxophonisten José Luis Gutierrez. Mit ihrer leidenschaftlichen Performance wusste die Band von Anfang zu begeistern. Dabei bediente sich Gutierrez an der reichen Tradition der iberischen Musik, die er und seine Mitstreiter durch gekonnt virtuose, erfrischend überraschende, aber nie nervige Improvisationen zu einem sehr persönlichen Stil mischten.

Filthy Habits Ensemble – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

Der zweite Act im Rahmen der “Spanish Night” im Schlachthof stand ganz im Zeichen von Frank Zappa. Die jungen Wilden des Filthy Habit Ensemble zollten dem verstorbenen Genie Tribut, mit gekonnter Interpretation der teilweise vertrackten Kompositionen Zappas, die mit Freejazzeinlagen und “dirigierten Improvisationen” ganz im Stile des Meisters verfeinert wurden. Auch ohne ihren Gitarristen machte die Band richtig Spaß und ließ das Publikum zu den wilden Rythmen zucken.

Alborada – Jazzahead! 2012 @Schlachthof

In diesem Jahr fand erneut die Jazzahead! in Bremen statt. Zu den interessantesten Veranstaltungen bei dieser Jazzmesse mit Festival gehören die Konzerte im Schlachthof.

Von Donnerstag bis Sonntag fanden dort Konzerte mit vielen hervorragenden Musikern und Bands der unterschiedlichsten Stilrichtungen statt. Beginn war jeweils um 20 Uhr. Jede Stunde kam ein neuer Act auf die Bühne. Das letzte Konzert startete laut Programm um 0 Uhr, verzögerte sich jedoch meist, sodass meistens erst nach 1 Uhr Schluss war und die vielen Besucher die bis zum Ende ausgeharrt hatten, zufriedenden Heimweg antraten. Auch wenn viele der Künstler in Fachkreisen hoch gehandelt werden, war das Programm für viele Besucher sicherlich eine Wundertüte – in der Highlight auf Highlight steckte. Der Donnerstag stand mit Motto “Spanish Night” ganz unter der Flagge des diesjährigen Partnerlandes Spanien. Leider musste eine Band kurzfristig absagen. Doch auch die verbliebenen vier Acts schafften es das Spektrum der Jazzszene in Spanien abzubilden.

Den Anfang machte am Donnerstag “Alborada” eine Flamenco-Fusion Gruppe, die vor allem durch die virtuose Flamencogitarre zu gefallen wusste.

 

Hazmat Modine 2011

Am 3.6.2011 spielte die New Yorker Truppe Hazmat Modine ihren leckeren virtuosen Musikeintopf aus Blues, Roots, Jazz, Country, Klezmer u.v.m. in der Worpsweder Music Hall. Wie immer heizte die Truppe um Frontmann und Mundharmonika-Paganini Wade Schuman ordentlich ein.